In welchen Phasen bieten sich onlinegestützte Interventionen an?

In welchen Phasen bieten sich onlinegestützte Interventionen an?

Onlineberatung

Onlinegestützte Interventionen können ganz verschiedene Formen annehmen. Das reicht von einem Mailkontakt zur Terminvereinbarung über spezielle Beratungs­software, über die Nachrichten versendet werden. Es geht weiter über Beratungen und Interventionen per SMS hin zu Apps und interaktiven automatisierten Programmen. Auch Chats und Videotelefonie sind möglich, Lernvideos oder Foren. Die Mittel, die zur Verfügung stehen sind vielfältig und müssen sorgsam ausgewählt und eingesetzt werden. Dabei hat jede Form ihre speziellen Stärken und Beschränkungen.

In den verschiedenen Interventionsphasen einer Beratung oder Therapie sind unterschiedliche Formen denkbar1. Justen-Horsten und Paschen (2016)2 haben eine Zuordnung vorgeschlagen. In der Phase der primären Prävention, in der vor allem störungsunspezifische psychosoziale Beratung stattfindet, bieten sich zur Information und Aufklärung E-Mental-Health-Informationsportale und Foren an, außerdem anonyme, ungeleitete Selbsthilfe, Chats und psychosoziale Online-Beratung. Das anonyme Angebot im Internet ist deutlich niedrigschwelliger als Anlaufstellen vor Ort. Die nächste Phase, die Früherkennung, kann durch geleitete Selbsthilfe und standardisierte störungsspezifische Online-Beratungsangebote unterstützt werden. In der Phase der Krisenintervention ist auch anonyme Soforthilfe möglich mittels Online-Krisenintervention, „die bei Bedarf eine Weitervermittlung in stationäre oder ambulante psychiatrisch / psychotherapeutische Behandlung zum Ziel hat“3. In der Diagnostik, für die nach aktuellen Richtlinien in jedem Fall nötig ist, dass der Therapeut den Klienten sieht, wird aktuell an der Weiterentwicklung medialer diagnostischer Werkzeuge, z.B. durch Video-Telefonie, gearbeitet. (Achtung: Bisher ist es jedoch nicht möglich und nicht erlaubt, Ferndiagnosen zu stellen, wozu auch Video-Telefonie gehört!) Vorgeschaltet oder unterstützend ist in dieser Phase eine Selbsteinschätzung mittels Fragebogen medial möglich. Die Phase der Psycho­therapie könnte durch mediale Kommunikationsformen begleitet werden, entweder durch teilstandardisierte oder individualisierte Online-Therapie, ergänzende Therapie-Tools, Web-Mail, Video-Telefonie. Die Nachsorge kann begleitet werden durch SMS, Web-Mail, Chat, Video-Telefonie.

 

Quellen:

1 Für eine ausführlichere Übersicht, welche Pilotprojekte und Studien es zu medial vermittelten psychosozialen und therapeutischen Zwecken gibt, siehe z.B. N. Döring, C. Eichenberg (2007): Klinisch-psychologische Interventionen mit Mobilmedien: Ein neues Praxis und Forschungsfeld. Psychotherapeut, 2, Seite 127–135.

2 Agnes Justen-Horsten, Helmut Paschen (2016): Online-Interventionen in Therapie und Beratung. Ein Praxisleitfaden. Basel 2016, S. 38.

3 a.a.O.

Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere